Virtual first statt digital blues: Warum wir Bock auf virtuelle Events haben

Profilbild Lars Grasemann
Learn Enthusiast
Lars

„Virtual first” lautet also das diesjährige Motto der hallo.digital. Ein Motto mit „first” am Ende, ist weder besonders kreativ noch in besonders guter Gesellschaft. Abgesehen vom omnipräsenten „America first” denke man an „Digital first. Bedenken second.” oder „Mobile first”. Je markiger der Slogan, desto ernüchternder die Umsetzung in der Realität, möchte man meinen.

Warum trotzdem „Virtual first”? Im Herbst haben wir die Eckdaten für die 2021er-Convention geplant. Natürlich kam die Pandemie zur Sprache. Uns war sehr schnell klar, dass wir auch 2021 unsere Convention nicht in der liebgewonnenen Form veranstalten könnten. Und offen gestanden fühlt sich das auch nicht gut an. Wie gerne hätten wir mit Dir zwei inspirierende Tage auf dem Alten Schlachthof verbracht, Hände geschüttelt, Kaffee oder Bier getrunken, viel geredet, noch mehr zugehört und einiges gelernt? 

Festes virtuelles Programm statt Übergangsformat

Wie die meisten anderen Veranstalter hatten wir die hallo.digital Convention 2020 bereits ins Netz verlagert. Mit wenig Vorlauf, großem Eifer und reichlich Improvisationstalent konnten wir einen tollen Tag -zumindest virtuell – auf die Beine stellen. Im Laufe des Jahres durften wir dann viele weitere Erfahrungen mit digitalen Events sammeln: von einstündigen Webinaren über hybride Abend-Events bis hin zu mehrtägigen Workshops war alles dabei. Aus dem Improvisieren wurde Planen. Aus dem Planen wird nun Weiterentwickeln. Aus dem Reagieren wird nun Gestalten. Was bedeutet das nun konkret?

Bei all unseren Events stehen der Austausch und das Teilen von Wissen im Vordergrund. Vor Corona galt bei Veranstaltungen, gerade im Bereich Weiterbildung, Präsenz als das Non-plus-Ultra. Auch wenn es hybride Formen wie Blended Learning bereits lange gibt, waren die digitalen Komponenten lange Zeit eher ein “nice-to-have”. Nach unserem Verständnis erleben wir gerade einen Paradigmenwechsel. Denn Weiterbildung findet nun in erster Linie digital statt, persönliche Begegnungen virtuell. Deshalb haben wir die Grundsatzentscheidung getroffen, 2021 alle Angebote immer erst virtuell zu konzipieren und zu gestalten und nicht als Anhängsel einer Präsenzveranstaltung. Und weil uns das letztes Jahr tatsächlich großen Spaß bereitet hat, kommen wir mit neuen Formaten wie der hallo.digital kompakt um die Ecke. Analoge Events mit all ihren Vorzügen kommen irgendwann wieder dazu. Das hoffen wir natürlich auch. Ihre Rolle wird dann allerdings eine andere sein. Und ich bin schon gespannt, wie diese aussehen wird. Meine These ist, dass man sich künftig viel genauer überlegt, ob es sich lohnt irgendwo hinzufahren. Aber wenn man sich dafür entscheidet und irgendwo hinfährt, will man das ganze umso mehr auskosten.


„Virtual first!” ist also das Credo unserer Grundsatzentscheidung. Warum das gute und schlechte Seiten hat und wie die genau aussehen, hat Content Enthusiastin Sarah hier aufgeschrieben:

Profilbild Sarah Stock - hallo.digital GmbH
Editorial Enthusiastin
Sarah

Ich bin jetzt einfach mal ehrlich: am liebsten würde ich diese fürchterliche C-Wort-Sache per click, drag & drop im Mülleimer verschwinden lassen und Dich direkt zu uns aufs schöne Alte Schlachthof Gelände in Karlsruhe einladen. Ein warmer Händedruck transportiert einfach so viel mehr, als das Winken in eine Laptop-Kamera. Wie mein lieber Kollege Lars aber bereits verraten hat, haben wir uns dazu entschieden, virtuelle Formate für 2021 in den Fokus zu stellen. Flexibilität ist zwar das Wichtigste, wenn man digital unterwegs ist – das gilt für Eventplanung, Webinare und alle anderen Projekte. Aber „Virtual First“ heißt für uns, dass wir die Events nicht als abgespeckte Variante einer eigentlich tollen Sache, nämlich bewährte Events vor Ort, planen und bestehendes zurecht deichseln. Wir kitzeln das Beste aus den digitalen Möglichkeiten heraus, damit uns virtuelle Events auch nach einem langen Jahr und mit der Bildschirm-Müdigkeit noch Spaß machen. Mit unseren Fellows möchten und werden wir trotzdem eine gute Zeit haben. Für uns bedeutet das, dass zentrierte Beschallung nach außen nicht reicht. Das ganze Feeling muss stimmen. Und das können wir mit der richtigen Haltung zumindest ein wenig steuern. Kurz: wir möchten unsere Fellows, also Dich, mehr involvieren und dazu motivieren, das Gute an der Sache zu sehen. (Ich weiß, gar nicht mal so leicht aktuell. Wir versuchen das trotzdem.)

Starten wir mit der Haltung

Alle sind zoom-müde. Wenn es nach mir ginge, könnte es sich auch wirklich bereits ausgezoomt haben. Unser neuer Alltag ist aber immer noch davon bestimmt, dass man sich zum Schutz aller von Menschen fern hält. Das nervt, aber es hilft nichts zu betrachten, was wir dadurch alles verpassen. Mir persönlich raubt das Energie, die ich gerne für andere Dinge einsetzen möchte. Ich finde es besser zu feiern, was uns das alles temporär ermöglicht. Irgendwann wird nämlich auch diese Phase überstanden sein und bis dahin möchten wir gerne die tollsten Aspekte nutzen, die möglich sind.

Unser gemeinsames Mittagessen montags ist ins Virtuelle umgezogen. Wie Du sehen kannst, Spaß haben wir – aber die Vorfreude auf die nächste Runde in Person ist groß.

Fachliche Diskussion im Chaos-Event-Shirt, statt einer schicken Bluse? 

Auf Konferenzen muss man vielleicht nicht immer schick sein, aber die wirklich aller bequemsten Klamotten kann man dort nicht tragen. Das ist das schöne an einer virtuellen Konferenz: wir können unsere Lieblingsshirts tragen, mit den Gebrauchsspuren der Jahre wie Flecken und Löchern, aber niemand wird es merken. 😀 Außer wir selbst natürlich, aber ich fühle mich in meinen Nerd-Shirts vor allem wohl.

Der Weg ist das Ziel bzw. der Einstieg

Für mich ist der Weg zu Konferenzen die Einstimmung auf den ganzen Tag. Auf dem Heimweg lasse ich dann alles noch einmal auf mich wirken und verarbeite, was ich über den Tag gelernt habe. Das können wir leider nicht virtuell ersetzen, ABER wir selbst werden das ein bisschen „nachstellen” und laden Dich dazu ein, mitzumachen. Vor und nach den virutellen Events gehe ich meistens spazieren. Das plane ich meist direkt in den Termin mit ein, damit ich mich nicht davor drücken kann. Und wenn es nur 5 Minuten sind, mit einem frischen Kopf geht das einfach besser. Und das CO2, das die Auto- oder Zugfahrt zum Event erzeugt hätte, werden wir bestimmt nicht vermissen. 😉 

Die leckersten Snacks sind die, die man nicht zubereiten muss?

Bei einer Konferenz angekommen gibt es erstmal Frühstück. Wo gibt es aber besseren Kaffee und passenderes Frühstück als in der eigenen Küche? Okay, da musst Du selbst etwas dafür tun, aber dafür schmeckt es besser. Um das Event-Feeling ein bisschen zu steigern, überlegen wir gerade eine Snackbox in Kooperation für Dich Zuhause anzubieten. Eine ähnliche Option gab es für die virtuelle Convention 2010 in Kooperation mit dem el corazón in Karlsruhe. Damit müsstest Du nur auspacken und könntest mehr Zeit beim networken (oder seien wir ehrlich, auf Instagram oder Twitter? 😉 ) verbringen. Wie gefällt Dir die Idee? Ideen und Fragen dazu kannst Du gerne in die Kommentare schreiben, wir sind gespannt!

Bild Deli-Box Veggie
Die Deli-Box 2020

Der besten Sitzplatz für virtuelle Events

Für mich ist es bei Veranstaltungen und Seminaren immer wichtig, relativ weit vorne zu sitzen. Da ich mit meiner hobbitschen 1,58m Größe kein Sitzriese bin, kann ich nämlich nicht über alle Menschen einfach drüber schauen. Da finde ich die Sitzauswahl Zuhause schon sehr praktisch. Außerdem kannst Du dabei kreativ sein und dem Kissen-Office (Bett) oder vom Küchentisch aus teilnehmen. Das kann durchaus angenehmer sein, als der Konferenzraum, der auf magische Weise oft zugig und gleichzeitig viel zu warm ist, für die dicke Jacke die man mitgebracht hat.

Das schönste an Konferenzen und Events sind die anderen Menschen

Das Konferenz-Feeling entsteht vor allem dann, wenn man spannende Menschen trifft. Persönlichen Kontakt kann man nur schwer virtuell ersetzen, aber ich glaube es kann auch Vorteile haben, nicht frontal voreinander zu stehen. Wenn ein Gespräch vielleicht ein bisschen langweilig ist, sind „technische Schwierigkeiten” vielleicht sogar ein bisschen angenehmer, als die Ausrede „sich noch schnell einen Kaffee zu holen“ und dann zufällig von etwas anderem auf dem Weg abgelenkt zu werden, statt wie versprochen zurückzukommen. Nicht, dass ich das jemals so machen würde. 😬 Oder wenn das Gespräch besonders spannend ist, sind die Links zum Verknüpfen über LinkedIn und Social Media bereits bei den meisten Event-Tools vorhanden und klickbereit. Das ist viel praktischer, als die Namen der neuen Kontakte versehentlich beim Verlassen der Konferenz wieder zu vergessen.

Das virtuelle After-Event

Okay, über Feierabendbier oder Feierabendlimo nach getaner Arbeit mache ich eigentlich keine Witze und vor allem keine Kompromisse. Da fällt es mir auch schwer, die positiven Seiten einer virtuellen Alternative hervorzuheben. Außer, dass ich oft  zu müde war, um bis zum After-Show-Event vor Ort zu bleiben. Aber wenn das auch digital stattfindet, kann man prima zuhause eine Pause einlegen und sich mit geringer Hürde nochmal dazu klicken. 

Wir freuen uns auf Dein Feedback

Aktuell planen wir unser Programm für 2021 noch, sammeln Ideen und setzen sie um. Am liebsten würden wir Dir natürlich bieten, was Dir am meisten in der digitalen Welt Spaß macht. Wirf deshalb gerne einen Blick auf unseren Plan und lass uns Deine Ideen in den Kommentaren oder per hallo@hallo.digital zukommen. Wir sind auf jeden Fall gespannt, wie Dir gefällt was wir uns ausgedacht haben. 

Wir hoffen, wir konnten Dir den virtuellen Blues ein wenig nehmen. Dieses Jahr bekommen wir auch gewuppt und sehen uns dann mit doppelter Freude wieder, wenn es für alle sicher ist. Bis dahin, bleib gesund und sei stets bei unseren virtuellen Formaten und After-Events willkommen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.